SAO Association für Frauen auf der Flucht
Besuch AMINA Center in Athen

Der Sorop Zürichsee unterstützt mit einer zweimaligen Spende von je CHF 1’000 die Organisation SAO Association für Frauen auf der Flucht. Am 07.10.2019 hatte ich die Gelegenheit in Athen die Leiterin des Zentrums Tereza Lyssiotis sowie ihre Stellvertreterin und Psychologin Eleftheria Anthi zu treffen und das AMINA Center zu besuchen.

Gesamteindruck: Im Zentrum AMINA wird mit einfachen und wenig Mitteln sehr effektive und grundlegende Unterstützung geboten. Tereza und Eleftheria sind beide sehr «praktisch denkend» und realistisch in Bezug was ihre Möglichkeiten sind, und wie weit sie die Frauen unterstützen können. Es ist für mich beeindrucken wie viele Frauen mit einem relativ bescheidenen Gesamtjahresbudget betreut und dabei in ihrer Existenz und Würde unterstützt werden können. Täglich werden ca. 50 Frauen (teilweise mit Kindern) betreut.

Werte/Haltung im Umgang mit den Frauen: Als grundlegendes Gebot gilt, gegenseitig Respekt zu waren und mit den Frauen auf Augenhöhe in Kontakt zu treten. Alle Flüchtlingsfrauen werden unabhängig ihrer Herkunft/Religion gleichberechtigt behandelt. Von den Frauen wird erwartet, dass sie untereinander ebenfalls respektvoll und wertschätzend umgehen. Die Leiterinnen urteilen/moralisieren nicht über den Weg (und die Gründe dafür) welche die Flüchtlingsfrauen eingeschlagen haben oder einschlagen werden.

Konkrete Unterstützung der Frauen: Die meisten Flüchtlingsfrauen/Kinder leben in Athen unter prekären Verhältnissen, d.h. in verlassenen, baufälligen Häusern (Ruinen) oder auf der Strasse. Neben Unterstützung für administrative Schritte (z.B. Gespräche bei den Behörden, Anmeldung/Organisation öffentliches Krankenhaus/Poliklinik/Schulen), der Sprache (Englisch/Griechisch), körperliche/seelische Integrität (Yoga, Gruppengespräche, kreatives Schaffen), erhalten die Frauen für ein paar Stunden einen «geschützten Rahmen». Dieser geschützte Rahmen bietet auch die Möglichkeit zur Körperpflege (Dusche, WC, ab und zu besucht eine Coiffeuse das Zentrum). Körperpflege, Kontakte zu knüpfen und sich «sicher und wahrgenommen» zu fühlen, sind wichtige Grundbedürfnisse – der kleine offerierte Imbiss mit warmem Tee und die im Winter geheizten Räume helfen sicher dabei.

Psychologische Unterstützung: Die Traumata der Flüchtlingsfrauen zeigen sich oft erst im Verlauf, oder auch gar nicht. Häufig sind dies körperliche Gewalt, Verlust von Kindern während der Flucht, Zwang zur Prostitution, sowie Flucht/Verlust Zuhause/Angst um Existenz/Zukunft. Es wird nicht aktiv auf die Frauen zugegangen, sondern gewartet bis sich die Frauen selber öffnen und ein Gespräch mit der Psychologin wagen – die Zeit und der ruhige Rahmen im Zentrum helfen Schritt für Schritt Vertrauen zu schaffen. Es existiert eine gute Kommunikation mit der ambulanten staatlichen Psychiatrie in Athen, so dass psychiatrische Erkrankungen, welche eine medikamentöse Therapie erfordern, weitergewiesen werden können. Problem: Es muss häufig mit Übersetzerinnen gearbeitet werden (vor allem Arabisch, Farsi, Französisch). Auch für die Übersetzerinnen braucht es ein gewisses Mass an psychologischer Erfahrung, damit mit der nötigen Sorgfalt kommuniziert werden kann – es ist schwierig, solche Fachkräfte zu finden.

Vera Stucki

Abgeschlossene Projekte

2020-03-10T23:10:38+01:00